Advents- und Weihnachtsbräuche

Advents- und Weihnachtsbräuche

Was wäre der Advent ohne Adventskranz, Kerzen und Lebkuchen? Was wäre Weihnachten ohne Geschenke, Christbaum und Krippe? Traditionen und Bräuche sind fixer Bestandteil der Vorbereitung auf Weihnachten. Teilweise tragen sie – geheimnisvoll und tiefsinnig – zu der gespannten Erwartung der Adventszeit bei, teilweise gehen sie uns Erwachsenen eher auf die Nerven, weil wir uns – übersättigt an Ritualen – nicht mehr über sie freuen können.
Diese Einheit spürt gängigen Adventsbräuchen nach, fragt nach ihrem Hintergrund und ihrer Bedeutung und setzt sie in Beziehung zu biblischen Verheißungen.

29.11.2020 (1. Advent)
Jesaja 11,1-5
Barbarazweige

06.12.2020 (2. Advent)
Jesaja 58,7-10
Nikolaus

13.12.2020 (3. Advent)
Jesaja 60,1-2
Lucia

20.12.2020 (4. Advent)
Psalm 119,103
Lebkuchen

24./25./26.12.2020 (Heiligabend/Weihnachten)
Lukas 2,1-20
Krippe

27.12.2020 (1. Sonntag nach Weihnachten)
Matthäus 2,13-15.19-23
Engel

Die biblischen Texte

Bräuche werden meist durch konkrete Legenden begründet. Doch ihre Symbolik wirkt ebenso durch Texte und am besten durch das Erleben der Rituale. Insofern ist eine Engführung auf (meist grausame) Ursprungslegenden nicht notwendig.

Der Legende nach lebte Barbara im 3. Jahrhundert in Nikomedien, in der heutigen Türkei. Gegen den Widerstand ihres Vaters bekehrte sie sich zum Christentum. Obwohl sie wegen ihres Glaubens misshandelt und in einen Turm gesperrt wurde, hielt sie daran fest. Als sichtbares Zeichen des Christentums ließ sie statt der ursprünglich zwei Fenster ein drittes in den Turm einbauen, um die Dreieinigkeit Gottes zu symbolisieren. Barbara wurde schlussendlich für ihren Glauben hingerichtet.
Auf dem Weg in ihre Gefangenschaft soll Barbara unabsichtlich einen Zweig abgerissen haben, den sie dann im Turm in einen Wasserkrug stellte. An ihrem Todestag begann der Zweig zu blühen – das tröstete die Gefangene.
Dieser Teil der Legende begründet die Tradition der Barbarazweige: Am Barbaratag werden Forsythien- oder Obstzweige geschnitten und in Vasen gestellt. In den Weihnachtstagen blühen sie auf und symbolisieren in der kahlen Winterzeit die Hoffnung auf Neubeginn und Wärme. Im christlichen Kontext gelten die blühenden Zweige als Zeichen für Christus und die Auferstehung.
Jesaja 11,1 wirkt ebenfalls durch den Gegensatz von totgeglaubtem Stamm und blühendem Zweig. Aus einem Königshaus, von dem nichts mehr erwartet wird, soll ein Retter kommen. Die Hoffnung liegt auf einem noch ungeborenen Kind symbolisiert durch das Aufblühen eines Zweiges.

Von Nikolaus, dem Bischof von Myra, sind sehr unterschiedliche Legenden überliefert, denen jedoch gemeinsam ist, dass Nikolaus als Retter in der Not auftritt und durch Gaben oder Wundern seinen Mitmenschen hilft.
So soll Nikolaus einem armen Mann, der sich aus Not gezwungen sah, seine Töchter in die Prostitution zu schicken, nachts Goldklumpen durch das Fenster geworfen haben. Dadurch wurden die jungen Frauen vor diesem Schicksal bewahrt.
Auf einem in Seenot geratenem Schiff riefen die Seeleute Nikolaus um Hilfe. Darauf erschien ihnen ein Mann, der das Schiff sicher steuerte und sogar den Sturm stillen konnte. An Land gekommen erkannten die Seeleute den Bischof Nikolaus als ihren Retter und dankten ihm.
Als in Myra eine Hungersnot herrschte, lag ein Schiff im Hafen, das Korn für den Kaiser von Byzanz geladen hatte. Nikolaus überredete die Mannschaft, der hungernden Bevölkerung von dem Korn abzugeben. Als das Schiff in Byzanz ankam, war die Ladung wieder vollständig.
Der 6. Dezember war ursprünglich der Tag der Bescherung in der Adventszeit. Auch heute noch ist es Tradition, dass der Nikolaus kommt und den (braven) Kindern Geschenke bringt. In der Reformationszeit wurde die Idee eines Heiligen, der die Guten belohnt und die Bösen bestraft und damit dem „allein aus Gnade“ widerspricht, kritisiert. Weihnachten wurde als Tag der Geschenke eingeführt und das – nicht nach den guten Taten fragende – Christkind etablierte sich neben dem Nikolaus als Gabenbringer. Doch auch heute noch wird der Nikolaus oft pädagogisch missbraucht, da die Belohnung der „braven Kinder“ praktisch zum Brauchtum gehört.
Mit Jesaja 58,7-10 wird der Schwerpunkt auf das Schenken und Helfen gelegt und die Legenden des Nikolaus werden zum Beispiel der Sorge für Bedürftige.

Die Tradition der Lucia-Feiern stammt aus Schweden, die Legende aus Italien. Lucia soll um die Wende zum 4. Jahrhundert gelebt haben. Zur Zeit einer Christenverfolgung ließ sie sich taufen und unterstütze ihre im Geheimen lebenden Glaubensgeschwister, indem sie ihnen in der Nacht Gaben und Hilfsgüter brachte. Um in der Dunkelheit sehen zu können und da sie die Hände voll mit Geschenken hatte, soll Lucia Kerzen am Kopf getragen haben. Als sie ihre Verlobung mit einem Nichtchristen löste, wurde sie von ihrem abgewiesenen Bräutigam verraten. Lucia wurde verhaftet und starb für ihren Glauben.
Die Legende spielt jedoch in Schweden praktisch keine Rolle. Im 14. Jahrhundert, als die Geschichte von Lucia sich verbreitete, war der 13. Dezember der Tag der Wintersonnenwende. Besonders die Nacht von 13. auf 14. Dezember, aber auch die weiteren Nächte bis Weihnachten galten als gefährlich. Aus Angst vor bösen Geistern, die im Dunkeln draußen ihr Unwesen trieben, hielt man sich bevorzugt innerhalb des Hauses auf.
Bei den heutigen Lucia-Umzügen steht die Lichtmetapher im Vordergrund. Lucia wird von ihrem Namen her als Lichtbringerin interpretiert und gefeiert. Sie trägt ein weißes Kleid und fünf brennende Kerzen im Haar; Buben und Mädchen folgen der Lucia, tragen Kerzen in der Hand und singen Advents- und Winterlieder. Besonders berühmt ist das Lied „Sancta Lucia“.
Licht ist das Symbol für Hoffnung, Güte und Gott. Auch in Jesaja 60,1-2 wird die Lichtmetapher verwendet. Aus der Adventszeit ist sie nicht wegzudenken.

Betlehem, der Geburtsort von Jesus, heißt wörtlich übersetzt „Haus des Brotes“; „lehem“ bedeutet „Brot“. Im Arabischen steht die gleiche Wortwurzel allerdings für „Fleisch“. Erklären lässt sich das dadurch, dass „lehem“ in beiden Sprachen so etwas wie das Grundnahrungsmittel bezeichnet. Die Wichtigkeit des Brotes für Israel wird damit deutlich.
Jesus sagt von sich, dass er das Brot des Lebens ist. So wichtig wie Brot für das tägliche Leben ist, so wichtig ist Jesus für das Leben in Gott. Es hat also eine besondere Symbolik, wenn wir erzählen, dass Jesus in Betlehem geboren wurde.
Süßes Brot kannten schon die alten Ägypter und Römer. In Deutschland entstanden die Lebkuchen im Spätmittelalter in den deutschen Städten, die über rege Handelsbeziehungen verfügten und Zugang zu „Pfeffer“ (steht für fremde Gewürze) hatten.
Die Pfefferkuchen oder Lebkuchen waren wegen ihrer wärmenden Gewürze und ihrer Haltbarkeit beliebt, sie wurden besonderes in den Fastenzeiten vor Ostern und Weihnachten gegessen. Da sie so gehaltvoll sind, verschenkten Klöster sie als Armenspeise.
In der Bibel steht Süße für Sattheit, Vollkommenheit, tiefe Freude. In Psalm 119, 103 wird Gottes Wort als süßer als Honig bezeichnet. Die Lebkuchen der Adventszeit sind ein wesentliches Element der Vorfreude auf Weihnachten.

Die Krippe ist visualisierte Erzählung: oft werden die Weihnachtsgeschichten von Lukas und Matthäus miteinander verbunden. Aber auch unbiblische oder moderne Gestalten (Menschen und Tiere) haben ihren Weg in die Krippenlandschaft gefunden.
Bildliche Darstellungen von biblischen Geschichten lassen sich bereits früh finden. Das Aufstellen einer Krippe soll jedoch auf Franz von Assisi zurückgehen. Im Jahr 1223 stellte er mit lebenden Tieren und Menschen die Weihnachtsgeschichte nach. Vor allem in katholischen Gebieten (Italien, Österreich, Süddeutschland) wurden dann in der Neuzeit die Krippenlandschaften in den Kirchen immer aufwendiger gebaut. Ab dem 18. Jahrhundert hielt sie in Privathäusern Einzug. Heutzutage ist die Krippe in Kirchen, auf Weihnachtsmärkten und (immer weniger) bei privaten Bescherungen zu finden. Das Augenmerk kann auf landschaftliche Details oder die verschiedenen Personen gerichtet werden. Aus praktisch jedem denkbaren Material werden Krippen gefertigt.
Doch auch ein kritischer Blick ist angebracht: allzu leicht bieten Krippen ein verharmlosendes oder verniedlichendes Bild der Weihnachtsgeschichte.

Der Engel ist nicht mit einem bestimmten Brauch der Weihnachtszeit verbunden. Doch er ist eines der wichtigsten Bilder dieser Zeit, obwohl seine religiöse oder christliche Bedeutung in den Hintergrund getreten ist. Auch das gabenbringende Christkind wird meist als blonder Engel dargestellt (siehe Engel in der Bibel).
In der Weihnachtsgeschichte spielen Engel eine entscheidende Rolle. Und sie tun das, was Engel „normalerweise“ so tun:

  1. Sie sind Boten Gottes: Ein Engel verkündet Maria, dass sie schwanger ist; von einem Engel erhält Josef den Auftrag, bei Maria zu bleiben, ein Engel erzählt den Hirten von der Geburt Jesu (Lk 1,28-38).
  2. Engel verehren Gott und singen zu seinem Lob: Am Hirtenfeld lobt die Menge der himmlischen Heerscharen Gott (Lk 2,9-14).
  3. Engel beschützen und bewahren: Ein Engel warnt Josef vor dem geplanten Mord durch Herodes. Die junge Familie kann nach Ägypten fliehen und das Kind überlebt (Mt 2,13-15)
    Es sind also die Engel, die aus einer Geburt das Weihnachtsfest machen. Sie verleihen dem Geschehen einen göttlichen Glanz, deuten was passiert und helfen, den Grund der Festfreude auch für die Zukunft zu bewahren.

Entfaltung

Der monatliche Gottesdienst verbindet die verschiedenen Symbole und Bräuche dieser Einheit und erzählt die Geschichte einer liebevollen und bewusst erlebten Adventszeit. Kerzenlicht und blühende Zweige versinnbildlichen dabei eher die Unverfügbarkeit der Festfreude, Lebkuchen und Geschenke stehen eher für die aktive Vorbereitung des Weihnachtsfestes. Die Krippe ruft die Geschichte, um die es eigentlich geht, in Erinnerung.
Anhand einer exemplarischen Familie oder Gemeinde wird die Adventszeit mit ihren Vorbereitungen, Hoffnungen und Bräuchen erzählt. Die Entstehungsgeschichten verdeutlichen die Symbole. Je nach den regionalen Traditionen kann natürlich ein bestimmter Brauch im Vordergrund des Gottesdienstes stehen.

Jesaja 11,1-5

Der Legende nach lebte Barbara im 3. Jahrhundert in Nikomedien, in der heutigen Türkei. Gegen den Widerstand ihres Vaters bekehrte sie sich zum Christentum. Obwohl sie wegen ihres Glaubens misshandelt und in einen Turm gesperrt wurde, hielt sie daran fest. Als sichtbares Zeichen des Christentums ließ sie statt der ursprünglich zwei Fenster ein drittes in den Turm einbauen, um die Dreieinigkeit Gottes zu symbolisieren. Barbara wurde schlussendlich für ihren Glauben hingerichtet.
Auf dem Weg in ihre Gefangenschaft soll Barbara unabsichtlich einen Zweig abgerissen haben, den sie dann im Turm in einen Wasserkrug stellte. An ihrem Todestag begann der Zweig zu blühen – das tröstete die Gefangene.
Dieser Teil der Legende begründet die Tradition der Barbarazweige: Am Barbaratag werden Forsythien- oder Obstzweige geschnitten und in Vasen gestellt. In den Weihnachtstagen blühen sie auf und symbolisieren in der kahlen Winterzeit die Hoffnung auf Neubeginn und Wärme. Im christlichen Kontext gelten die blühenden Zweige als Zeichen für Christus und die Auferstehung.
Jesaja 11,1 wirkt ebenfalls durch den Gegensatz von totgeglaubtem Stamm und blühendem Zweig. Aus einem Königshaus, von dem nichts mehr erwartet wird, soll ein Retter kommen. Die Hoffnung liegt auf einem noch ungeborenen Kind symbolisiert durch das Aufblühen eines Zweiges.

Barbarazweige

Im Mittelpunkt des Gottesdienstes steht das Wachsen und Aufblühen, das kaum einer mehr erwartet – außer Jesaja und Barbara. Jesaja setzt seine Hoffnung in ein noch nicht geborenes Kind, er traut sogar einem totgesagten Baumstumpf noch neues Leben zu. Barbara umsorgt einen Zweig, von dem sie aller Wahrscheinlichkeit nach nichts haben wird.
Die erwartungsvolle Haltung der beiden dient als Vorbild und wird ausgeschmückt erzählt.
Auf die Legende der Barbara kann ganz verzichtet werden, der Brauch an sich ist erzählenswert und „erwartungsvoll“ genug.
Um Jesajas Bild zu verdeutlichen, werden Zweige in einen verwitterten Baumstamm gesteckt.
Wenn mit der Hilfe der Eltern gerechnet werden kann, bekommen die Kinder Barbarazweige mit nach Hause.
Als Lieder bieten sich „Alle Knospen springen auf“, „Maria durch ein Dornwald ging“ oder „Es ist ein Ros entsprungen“ an.

Jesaja 58,7-10

Von Nikolaus, dem Bischof von Myra, sind sehr unterschiedliche Legenden überliefert, denen jedoch gemeinsam ist, dass Nikolaus als Retter in der Not auftritt und durch Gaben oder Wundern seinen Mitmenschen hilft.
So soll Nikolaus einem armen Mann, der sich aus Not gezwungen sah, seine Töchter in die Prostitution zu schicken, nachts Goldklumpen durch das Fenster geworfen haben. Dadurch wurden die jungen Frauen vor diesem Schicksal bewahrt.
Auf einem in Seenot geratenem Schiff riefen die Seeleute Nikolaus um Hilfe. Darauf erschien ihnen ein Mann, der das Schiff sicher steuerte und sogar den Sturm stillen konnte. An Land gekommen erkannten die Seeleute den Bischof Nikolaus als ihren Retter und dankten ihm.
Als in Myra eine Hungersnot herrschte, lag ein Schiff im Hafen, das Korn für den Kaiser von Byzanz geladen hatte. Nikolaus überredete die Mannschaft, der hungernden Bevölkerung von dem Korn abzugeben. Als das Schiff in Byzanz ankam, war die Ladung wieder vollständig.
Der 6. Dezember war ursprünglich der Tag der Bescherung in der Adventszeit. Auch heute noch ist es Tradition, dass der Nikolaus kommt und den (braven) Kindern Geschenke bringt. In der Reformationszeit wurde die Idee eines Heiligen, der die Guten belohnt und die Bösen bestraft und damit dem „allein aus Gnade“ widerspricht, kritisiert. Weihnachten wurde als Tag der Geschenke eingeführt und das – nicht nach den guten Taten fragende – Christkind etablierte sich neben dem Nikolaus als Gabenbringer. Doch auch heute noch wird der Nikolaus oft pädagogisch missbraucht, da die Belohnung der „braven Kinder“ praktisch zum Brauchtum gehört.
Mit Jesaja 58,7-10 wird der Schwerpunkt auf das Schenken und Helfen gelegt und die Legenden des Nikolaus werden zum Beispiel der Sorge für Bedürftige.

Nikolaus

Ein Besuch des „Nikolaus“ bietet sich an: Der Besuch eines Mannes, der den Kindern ehrlich erklärt, dass er sich als Nikolaus verkleidet hat, warum er das getan hat und was ihm an diesem Bischof gefällt. Er erzählt Nikolauslegenden und bringt den Kindern kleine Gaben. Wenn die Frage auftauchen sollte, woher diese Geschenke stammen, kann wiederum ehrlich gesagt werden: sie stammen von Menschen, die die Kinder liebhaben und die sich um sie kümmern. Nikolaus ist berühmt dafür, sich um andere Menschen zu kümmern; ein „Nikolaus“ ist daher der richtige, um auch heute noch Geschenke zu verteilen.

Jesaja 60,1-2

Die Tradition der Lucia-Feiern stammt aus Schweden, die Legende aus Italien. Lucia soll um die Wende zum 4. Jahrhundert gelebt haben. Zur Zeit einer Christenverfolgung ließ sie sich taufen und unterstütze ihre im Geheimen lebenden Glaubensgeschwister, indem sie ihnen in der Nacht Gaben und Hilfsgüter brachte. Um in der Dunkelheit sehen zu können und da sie die Hände voll mit Geschenken hatte, soll Lucia Kerzen am Kopf getragen haben. Als sie ihre Verlobung mit einem Nichtchristen löste, wurde sie von ihrem abgewiesenen Bräutigam verraten. Lucia wurde verhaftet und starb für ihren Glauben.
Die Legende spielt jedoch in Schweden praktisch keine Rolle. Im 14. Jahrhundert, als die Geschichte von Lucia sich verbreitete, war der 13. Dezember der Tag der Wintersonnenwende. Besonders die Nacht von 13. auf 14. Dezember, aber auch die weiteren Nächte bis Weihnachten galten als gefährlich. Aus Angst vor bösen Geistern, die im Dunkeln draußen ihr Unwesen trieben, hielt man sich bevorzugt innerhalb des Hauses auf.
Bei den heutigen Lucia-Umzügen steht die Lichtmetapher im Vordergrund. Lucia wird von ihrem Namen her als Lichtbringerin interpretiert und gefeiert. Sie trägt ein weißes Kleid und fünf brennende Kerzen im Haar; Buben und Mädchen folgen der Lucia, tragen Kerzen in der Hand und singen Advents- und Winterlieder. Besonders berühmt ist das Lied „Sancta Lucia“.
Licht ist das Symbol für Hoffnung, Güte und Gott. Auch in Jesaja 60,1-2 wird die Lichtmetapher verwendet. Aus der Adventszeit ist sie nicht wegzudenken.

Lucia

Ein fiktives schwedisches Mädchen (namens Lucia) erzählt seine Suche nach einer sinnvollen Beschäftigung in der Winterzeit. Die Angst der Menschen vor der Dunkelheit wird ebenso thematisiert wie die Sehnsucht nach Licht.
Durch die Namensgleichheit findet das Mädchen Lucia ein Vorbild: Die italienische Lucia hat verfolgte Christinnen und Christen mit Gaben unterstützt. Die schwedische Lucia bringt nun das, was ihren Mitmenschen am meisten fehlt und was sie ja auch schon im Namen trägt: Licht. Freundinnen und Freunde unterstützen sie dabei, mit Kerzen und singend zieht die Gruppe von Haus zu Haus. Ein typischer Lucia-Umzug entsteht.
Das Lied „Tragt in die Welt nun ein Licht“ oder eine deutsche Übertragung des schwedischen Luzia-Liedes wird gesungen.

Psalm 119,103

Betlehem, der Geburtsort von Jesus, heißt wörtlich übersetzt „Haus des Brotes“; „lehem“ bedeutet „Brot“. Im Arabischen steht die gleiche Wortwurzel allerdings für „Fleisch“. Erklären lässt sich das dadurch, dass „lehem“ in beiden Sprachen so etwas wie das Grundnahrungsmittel bezeichnet. Die Wichtigkeit des Brotes für Israel wird damit deutlich.
Jesus sagt von sich, dass er das Brot des Lebens ist. So wichtig wie Brot für das tägliche Leben ist, so wichtig ist Jesus für das Leben in Gott. Es hat also eine besondere Symbolik, wenn wir erzählen, dass Jesus in Betlehem geboren wurde. Süßes Brot kannten schon die alten Ägypter und Römer. In Deutschland entstanden die Lebkuchen im Spätmittelalter in den deutschen Städten, die über rege Handelsbeziehungen verfügten und Zugang zu „Pfeffer“ (steht für fremde Gewürze) hatten.
Die Pfefferkuchen oder Lebkuchen waren wegen ihrer wärmenden Gewürze und ihrer Haltbarkeit beliebt, sie wurden besonderes in den Fastenzeiten vor Ostern und Weihnachten gegessen. Da sie so gehaltvoll sind, verschenkten Klöster sie als Armenspeise.
In der Bibel steht Süße für Sattheit, Vollkommenheit, tiefe Freude. In Psalm 119, 103 wird Gottes Wort als süßer als Honig bezeichnet. Die Lebkuchen der Adventszeit sind ein wesentliches Element der Vorfreude auf Weihnachten.

Lebkuchen

Lebkuchen und süßes Brot sind das Thema des Gottesdienstes. Selber Lebkuchen zu backen, dauert für einen normalen Kindergottesdienst zu lange. Doch können Gewürze und fertige Lebkuchen mitgebracht werden.
Wenn es regional eine Rolle spielt, kann die Entstehungsgeschichte eines bestimmten Lebkuchens erzählt werden. Ansonsten bieten Lebkuchen an sich genug zu entdecken: Sie bestehen aus wärmenden und besonderen Gewürzen. Da sie so gehaltvoll sind, wurden sie von Klöstern an Arme verschenkt. Durch ihre lange Haltbarkeit galten sie als Fastenspeise.
Dies bietet die Grundlage für die Geschichte, gemeinsam werden Lebkuchen gekostet.

Lukas 2,1-20

Die Krippe ist visualisierte Erzählung: oft werden die Weihnachtsgeschichten von Lukas und Matthäus miteinander verbunden. Aber auch unbiblische oder moderne Gestalten (Menschen und Tiere) haben ihren Weg in die Krippenlandschaft gefunden.
Bildliche Darstellungen von biblischen Geschichten lassen sich bereits früh finden. Das Aufstellen einer Krippe soll jedoch auf Franz von Assisi zurückgehen. Im Jahr 1223 stellte er mit lebenden Tieren und Menschen die Weihnachtsgeschichte nach. Vor allem in katholischen Gebieten (Italien, Österreich, Süddeutschland) wurden dann in der Neuzeit die Krippenlandschaften in den Kirchen immer aufwendiger gebaut. Ab dem 18. Jahrhundert hielt sie in Privathäusern Einzug.
Heutzutage ist die Krippe in Kirchen, auf Weihnachtsmärkten und (immer weniger) bei privaten Bescherungen zu finden. Das Augenmerk kann auf landschaftliche Details oder die verschiedenen Personen gerichtet werden. Aus praktisch jedem denkbaren Material werden Krippen gefertigt.
Doch auch ein kritischer Blick ist angebracht: allzu leicht bieten Krippen ein verharmlosendes oder verniedlichendes Bild der Weihnachtsgeschichte.

Krippe

Gemeinsam wird eine Krippe aufgestellt und dabei die Weihnachtsgeschichte erzählt. Die einzelnen Figuren berichten über ihre Rolle innerhalb der Geschichte und was sie erlebt haben. Wahlweise können auch „lebende Figuren“ zu einem Bild gestellt werden: entweder durch Kinder, die in einer Spontanpantomime Regieanweisungen folgen; oder durch ein klassisches Krippenspiel, das nach den örtlichen Traditionen von einer Gruppe von Kindern (oder Erwachsenen) einstudiert wurde.
Das Lied „Kommt, Kinder, kommt in raschem Lauf“ kann zum Aufstellen der Krippe gesungen werden.

Der Engel ist nicht mit einem bestimmten Brauch der Weihnachtszeit verbunden. Doch er ist eines der wichtigsten Bilder dieser Zeit, obwohl seine religiöse oder christliche Bedeutung in den Hintergrund getreten ist. Auch das gabenbringende Christkind wird meist als blonder Engel dargestellt (siehe Engel in der Bibel).
In der Weihnachtsgeschichte spielen Engel eine entscheidende Rolle. Und sie tun das, was Engel „normalerweise“ so tun:

  1. Sie sind Boten Gottes: Ein Engel verkündet Maria, dass sie schwanger ist; von einem Engel erhält Josef den Auftrag, bei Maria zu bleiben, ein Engel erzählt den Hirten von der Geburt Jesu (Lk 1,28-38).
  2. Engel verehren Gott und singen zu seinem Lob: Am Hirtenfeld lobt die Menge der himmlischen Heerscharen Gott (Lk 2,9-14).
  3. Engel beschützen und bewahren: Ein Engel warnt Josef vor dem geplanten Mord durch Herodes. Die junge Familie kann nach Ägypten fliehen und das Kind überlebt (Mt 2,13-15)
    Es sind also die Engel, die aus einer Geburt das Weihnachtsfest machen. Sie verleihen dem Geschehen einen göttlichen Glanz, deuten was passiert und helfen, den Grund der Festfreude auch für die Zukunft zu bewahren.

Engel

Es sind die Engel, die den Menschen eine Deutung der Weihnachtsgeschichte und die Besonderheit des Jesuskindes nahebringen. So können es auch die Engel sein, die nach Weihnachten noch einmal den Blick zurücklenken: Ein Engel erzählt, was passiert ist, und ruft die Festfreude in Erinnerung. Doch auch die Aufgabe der Bewahrung des Kindes kann thematisiert werden.


Hintergrundinformationen

Glaubens- und Lebenswelten von Kindern begegnen

Schon im November öffnen Adventsmärkte, sind die Straßen mit Lichterketten geschmückt und erklingt „Stille Nacht“ im Kaufhaus. Der Kommerzialisierung von Weihnachten kann sich keiner entziehen.
Trotz aller Geschäftigkeit und Vermarktung ist der Advent aber besonders für Kinder intensiv und aufregend. Lichter, Melodien und Gerüche, langes Warten, Freude und Nachdenklichkeit verleihen dieser Zeit ihren besonderen Reiz.
In der Regel macht es Kindern Spaß, die Traditionen der Adventszeit bewusst zu erleben. Eine liebevolle Inszenierung von Bräuchen, die das Wesentliche wirken lässt und so auch gegen eine vorweihnachtliche Übersättigung an Eindrücken steht, sprengt jedoch den Rahmen des Kindergottesdienstes, der hier höchstens Anregungen geben kann. Nur zu Hause können Kinder Bräuche wirklich erleben.
Diese zu entdecken oder für sich selber neu zu entwickeln, ist jedoch eine anschauliche Möglichkeit, der Bedeutung von Weihnachten nachzuspüren, sich Zeit für einander zu nehmen und Geschichten zu erleben.

Entscheidungen auf dem Weg zu den Gottesdiensten

Advents- und Weihnachtsbräuche haben immer mehrere Entstehungsgründe, ihre Bedeutung kann nie einfach erklärt werden.
Die Herkunft von Bräuchen in historischen Begebenheiten, etwa in dem Leben von Heiligen oder Märtyrern, zu verankern, wird ihren vielen Dimensionen nicht gerecht. Außerdem sind vor allem Märtyrerlegenden keine angemessenen Geschichten für Kinder.
Viel sinnvoller sind Entstehungsgeschichten, die beispielhaft (und durchaus auch mit fiktiven Personen) die Sehnsucht der Menschen, ihre Sinnsuche und den Wunsch nach symbolhafter Zeichenhandlung thematisieren.
In Texten finden Bräuche ihre sprachliche Gestalt. Die biblischen Texte werden daher dem jeweiligen Sonntag und Brauch zugeordnet. Auch sie erklären keine Entstehung, liefern nicht die eine Deutung: doch sie sind ein Element, um den vielschichtigen Traditionen eines Brauchtums auf die Spur zu kommen.

Weiterführendes

Vernetzung

Bei dieser Einheit ist besonders auf lokale Traditionen (beispielsweise die Vorbereitung eines Krippenspiels, Nikolausfeiern u.Ä.) Rücksicht zu nehmen. Diese gehen immer vor.
Außerdem ist die Einbeziehung der Eltern sehr sinnvoll. Gemeinsame Feiern für Kinder und Erwachsene liegen nahe – die konkrete Umsetzung wird wiederum stark von den lokalen Gegebenheiten geprägt sein. Sollte es keinerlei Tradition für gemeinsame Adventsfeiern geben, können die Eltern in den Kindergottesdienst eingeladen werden. Besuche von Außenstehenden (Nikolaus, vielleicht auch Lucia) sind möglich.

Lieder

  • Alle Knospen springen auf (LHE 218, KG 78)
  • Es ist ein Ros entsprungen ([EG] 30)
  • Tragt in die Welt nun ein Licht (KuS 70, KKL 138)
  • Kommt, Kinder, kommt in raschem Lauf (Siegfried Macht, Kleine Leute – Große Töne. Mit Kindern singen, spielen, musizieren, Stuttgart 1997, S. 85f.)
  • Luzia-Lied: Sancta Lucia (Deutsche Übertragung im Internet zu finden, z.B. unter http://www.hanna-strack.de/andacht-uber-die-heilige-lucia/)

Praxishilfen

  • Lucia-Krone: Eine Lucia-Krone besteht normalerweise aus fünf Kerzen, die auf einem Drahtgestell befestigt sind. Eine solche Krone kann gekauft werden. Im Internet und besonders für Kinder findet man meist elektrische Versionen.

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